Drei-Flüsse-Kreuzfahrt

Jeetze, Jeetzel, Alte Jeetzel: drei Flüsse oder nur einer? Von Salzwedel bis Hitzacker, etwa 50 Km weit, paddelte diese 16köpfige Gruppe am langen Himmelfahrtswochende mit Canadiern, und kreuzte die Flüsse unzählige Male.

Gruppenbild

Als in Salzwedel endlich alle beisammen sind, kann die aus unterschiedlichen Bereichen zusammengewürfelte Gruppe zunächst das Paddeln üben.

Canadier unter BrückeSchon das Abladen der Canadier und Verteilen der Paddel, Packsäcke und Kanuwesten klappt überraschend gut, koordiniert und zügig. Sarah und Lucas leiten die Gruppe an, während Sören und Jochen das Gepäck und die Fahrzeuge zum Etappenziel Wustrow bringen, um wieder zum Start zurück zu kommen.

Start zweier Canadier

Kurz vor dem Wehr, dass für geringe Strömung und eine breite Jeetze sorgt, führt links ein schmaler Arm in Richtung Altstadt. Eine abenteuerliche Strecke beginnt. Etwa zwei Meter breit ist die Jeetze hier und stellenweise nur fünf cm tief.

Die Gruppe paddelt zwischen den Häusern, unter den Brücken und Straßen, zwischen den Innenhöfen und Gärten und sogar unter den Häusern hindurch. Gelegentlich setzt ein Kanu auf und für ein oder zwei Teilnehmer beginnt eine kurze Flusswanderung. Das alles macht viel Spaß, vor allem, wenn sich fünf Kanus zu einem Pulk zusammen finden.

„Jetzt kann ich mir auch vorstellen, wie es hier im Mittelater ausgesehen hat. Da laufen dann nur noch Ratten auf den Steinmauern am Ufer“, sagt ein Teilnehmer. Ein altes Plumsklo, dass zur Jeetze entsorgte, kann entdeckt werden und geheimnisvolle Kellerfenster, aus denen Wasser fließt. Viele Stadttauben scheinen eine Plage zu sein, überall sind auf waagerechten Simsen Drahtsperren. Dass der Fluss mitten in einer bevölkerten Stadt fließt ist jedoch kaum zu bemerken, zu sehen sind grüne und blühende Ufer.

Die Wehre, die laut Kanuführer zu Umtragen sind, existieren nicht, was die Orientierung, wie weit schon gepaddelt wurde, schwierig macht. Ein Passant am Ufer grüßt uns: „hier gibt es keine Wehre, wir können nichts mehr regeln, das machen Alles Die im Westen“. Ab der Grenze zu Niedersachsen heißt der Fluss jetzt Jeetzel.

Für den späten Nachmittag ist heftiger Regen und Gewitter angesagt, unterwegs grummelt es zwar etwas und nach der Suppenpause können alle kurz erleben, wie es ist, wenn es regnet. Aber erst, als alles im Gemeindehaus in Wustrow verstaut ist und die Gruppe das Schlaflager aufbaut, fängt es anhaltend an zu regnen.

Start in Wustrow

Ort erkunden und den Bäcker suchen, Abendessen, Ausruhen, Abendabschluss und Andacht beenden den Tag, Ruhe kehrt erst gegen 23:30 ein. Das Team bespricht den Tag und was für morgen noch wichtig ist.

Das Erkundungs-Team

Frisch geht es am Freitag bei gutem Wetter auf die nächste Etappe. Es ist nicht mehr so warm wie am Donnerstag, aber es lässt sich gut paddeln.

etwas unkoordiniert

Die Gruppe startet etwas unkoordiniert, das hat gestern schon besser geklappt, und diese Kreuzfahrten werden uns die restliche Zeit begleiten …

es geht voran

… aber es geht voran.

In Lüchow ist eine längere Pause nötig, denn ein Wehr muss umtragen werden. Schon weit vorher müssen die Kanus aus dem Wasser und mit Bootwagen 400m durch die Innenstadt gefahren werden. Eine große Werbe-Eistüte macht Appetit auf leckeres Eis, erweist sich jedoch als „Fake“, die Eisdiele ist ganz wo anders. Etwas weiter flussabwärts gibts auch die ersehnte Suppenpause, da, wo die Alte Jeetzel durch ein Siel abfließt:

Suppenpause

Das erste Kanu wird in die Alte Jeetzel umgesetzt, laut Kanuführer „ein ohne besondere Schwierigkeiten zu befahrender Altarm der Jeetzel“. Nach 50m versperrt ein Gebüsch den Weg. Mit Hilfe eines Multifunktionstaschenmessers schneiden die Kanuten den Weg frei. Die Gruppe wartet noch ab. Als nach 90 Minuten das nächste Dreierteam umsetzt, geben 500m weiter vorn die beiden ersten auf und landen an. Hier ist kein Durchkommen, jedenfalls nicht mit diesem Werkzeug  und ein Ende nicht absehbar. Es wird auf der sehr kanalisierten Jeetzel weiter bis zum Ziel, der K30 Straßenbrücke gepaddelt, die spät und erschöpft sogar erreicht wird. Von dort wird die Gruppe in zwei Fuhren zum Gemeindehaus Breselenz geshuttelt. Die Mädchen haben sogar ein separates Zimmer und für alle ist eine Dusche vorhanden. Der Duschplan ist gegen 23 Uhr abgearbeitet. Die Tor-Markierungs-Schuhe bleiben nach dem Fußballspiel über Nacht auf der Wiese draußen, der aus der Jeetzel gefischte Ball wird in Sicherheit ins Gemeindehaus gebracht. Tagesrückblick, Andacht und Teamplanung beenden den Tag.

Kanu beladen

Die erste Etappe am Samstag ist kurz: nach 900m kann ein neuer Versuch in der Alten Jeetzel gemacht werden. Sie unterfließt die Jeetzel in einem Düker.

einsteigen und abJetzt beginnt ein sehr schöner Teil der Tour. Die Alte Jeetzel windet sich durch die Landschaft, malerisch hängen Büsche und Weiden übers Ufer, die Lenkfähigkeit wird herausgefordert.

Alte Jeetzel

Ein Wehr ist sogar fahrbar, muss nicht umtragen werden und sorgt für spannende Momente.

fahrbares Wehr

In Dannenberg erreichen wir mitten in der Stadt ein Wehr, dass nicht fahrbar sein soll. Hier machen wir erstmal die Suppenpause.

Wehr in DannebergDa das Tragen der Kanus mühsam ist, wird nur eins umgesetzt, die anderen sollen über das Wehr treiben und unten aufgefischt werden.

übers Wehr treibenDas klappt bei vier Canadiern ganz gut. Ein Baumstamm, der sich im Wehr gefangen hat, wird bei der Aktion auch befreit.

Kanus auffischen

Weil alles so gut klappt und die beiden Teamer im letzten Boot keine Lust haben, ihr Kanau aus dem Wasser zu holen, wird erprobt, ob der Kanuführer hier nicht auch falsch liegt, wie so oft vorher.

Wehr fahrbar?Wehr fahrbar?Wehr fahrbar?Wehr fahrbar?Wehr nicht fahrbar!

Eine  erfrischende Abkühlung und ein weiterer Ball ist der Ertrag der Aktion, wie gut, dass in Hitzacker eine äußerst komfortable Dusche im Gemeindehaus wartet …

Bei gutem Wetter geht es weiter auf der Alten Jeetzel, bis sie durch ein Kraftwerk gesperrt wird und unmittelbar dahinter in die Jeetzel mündet. Hier werden wieder die Fahrkünste herausgefordert, sperren doch drei Bäume den Flusslauf. Sie sind links, rechts und rechts durch kleine Lücken im Geäst zu überwinden.

malerische JeetzelDer Flusslauf wird wieder breiter, es wird mühsam, ohne Strömung zu paddeln. Manche versuchen unterschiedlichste Fahrstile.

unterschiedlichste FahrstileSchließlich erreichen wir den Hitzackersee, der auf der linken Seite sehr flach und schlammig ist. Der rettende Anlegesteg beim Archäologischen Museum ist erreicht und die Tour zu Ende. Die Kanus werden aus dem Wasser geholt, sauber gemacht und verladen, während ein Teil der Gruppe im Gemeindehaus Hitzacker Salate vorbereitet und den Grill anheizt.

Anlegesteg

Nach dem Aufbauen der Schlaflager, dem Abendessen und einer Shoppingtour können der Tagesrückblick und die Andacht in der Kirche gefeiert werden. Eine Ausstellung mit Engelskulpturen umgibt uns. Die Gruppe handelt 24 Uhr als Schlafenszeit heraus, was für die jüngeren Teilnehmenden eigentlich zu spät ist.

Am Sonntag wird alles gepackt. Danach besucht die Gruppe den Gottesdienst mit Dialogpredigt und der musikalischen Gestaltung vom Salonorchester. Die Jugendlichen erkennen die musikalische Leistung des Orchesters mit Saxophon, Kontrabass, Geige, Schlagzeug und Klavier an, der Musikstil ist jedoch nicht ihr Geschmack, alle Erwachsenen sind begeistert, sowohl von der Predigt als auch von der Musik.

Schließlich muss noch das Gemeindehaus sauber gemacht werden, im Schlafraum hat, den Spuren nach, ein Gelage stattgefunden.

Auf dem Rückweg gibt es in Salzwedel an der Startstelle noch Hotdogs zum Mittagessen, danach fahren die beiden Bullis getrente Wege, nach Calvörde und nach Vorsfelde.

Als alle Teilnehmer schon lange zu Hause sind räumt das Team noch auf, sortiert das Material ein und teilt die Essensreste auf. Vielen Dank an Sarah, Lucas und Sören, ohne Euch ist so eine Reise nicht machbar. Wir waren eine tolle Gruppe und es hat richtig Spaß gemacht.

Uferkussweiter gehts

 

 

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