Wenn die Kinder still sind, legen die Vögel los

Wenn die Kinder still sind, legen die Vögel los
Pfingstcamp im Pfarrgarten in Bahrdorf

Vier Tage und drei Nächte zelteten 19 Kinder, fünf jugendliche Betreuer und Propsteijugenddiakon Jochen Meißner-Warnecke im Pfarrgarten. Die Gruppe war von Vorsfelde aus mit Fahrrädern angereist. Über Teile des Allerradweges, die Velpker Schweiz und die Wahrstedter und Bahrdorfer Feldmark erreichten die Acht bis Dreizehnjährigen ohne Panne in Rekordzeit das Pfarrhaus.
Nach dem Mittagessen wurde gleich der Ort mit einer Rallye erkundet. „Wieviel Laternen stehen auf dem Mühlenberg, was war am 6.12.1983, welche Kuscheltiere sammelt Pfarrerin Kesting“, waren einige Fragen, die die Kinder teilweise mit Hilfe der Dorfbewohner beantworteten.

Abends ging es beim Chaotenspiel im Pfarrgarten rund: 50 numerierte Holztäfelchen mussten gefunden und die dazugehörigen Aufgaben gelöst werden: putzt euch alle die Zähne, erscheint im Schlafzeug, bringt fünf unterschiedliche Blätter, Mache einen „Markus 13,35“, wie alt sind alle Teamer zusammen?, usw. Nach der Andacht sorgte die Erschöpfung und der Regen dafür, dass die Nachtwanderung verschoben wurde. Ruhe trat die ganze Nacht nicht ein; als alle Kinder endlich still waren, legten die Vögel schon wieder los.

Pfingstsonntag besuchten die Kinder die Burg Oebisfelde und wurden zünftig vom Burgvogt in Kleidung aus dem 15. Jahrhundert begrüßt und durch sein Anwesen geführt. Nachdem der Turm bestiegen und die Fragen des Vogts richtig beantwortet waren, wurden die Jungen zu Rittern geschlagen und die Mädchen zu Burgfräulein ernannt, natürlich im zeitgerechten Outfit und Bewaffnung. Auf Teilen des alten Kolonnenweges ging es unter erschwerten Bedingungen zurück nach Bahrdorf, war der Weg doch stellenweise ziemlich zugewachsen.

Nachmittags färbten die Kinder ihre Hände und weiße T-Shirts mit Hilfe von Batikfarbe zu bunten Kunstwerken, eine Gruppe sorgte für warme Waffeln für alle.
Abends wurde gespielt und der Osterfeuerhaufen auf der Feuerstelle abgekokelt. Nach der Andacht machte sich eine Gruppe zur Nachtwanderung in den Wald auf. Es galt einzeln im Dunkeln einen ca. 300m langen Weg zu folgen, der durch Teelichte markiert war. „Das nächste Mal bleibe ich aber zu Hause,“ sagte Lorenz, nach bestandenem Abenteuer war er sehr stolz.

Da der Bahrdorfer Wald seit ca. 50 Jahren ein Verhaltensforschungsbiotop der Uni Bonn ist, besuchten die Kinder am Montag die Vogelforscher im Wald, die die Brutpflege der Trauerschnäpper untersuchten. Es war garnicht so leicht unter den 600 Nistkästen mit Hilfe einer Karte und den Numerierungen den richtigen zu finden. Dann war in der Kleingruppe Ausdauer und Ruhe gefragt: eine Stunde sollte beobachtet werden, wie oft die Eltern zum Füttern kommen. Nach 30 Minuten und 25 Fütterungen durften dann endlich die Küken angesehen werden. Das Beobachtungsprotokoll wurde ausgefüllt und es ging zurück zur Basis.

„Wie schwer darf eigentlich ein Minisender sein, mit dem ein Trauerschnäpper markiert werden soll?“ stelle Dr. Jörg Brün die Frage. Nach anfänglichen Schätzungen von 2 Kg einigte man sich auf maximal 1g. Verglichen mit einen Menschenkind wäre das nämlich etwa 4 kg, die ständig herumgeschleppt werden müssten.
Marvin verschwand dann mit einem Wildschweinsender und die Gruppe durfte ihn mit Hilfe eines Empfängers mit Richtantenne peilen.
Nachmittags bastelten die Kinder Schwirrhölzer, ein Musikinstrument der australischen Ureinwohner. Eine Gruppe stellte Schnurren her, ein mittelalterliches Brummspielzeug und eine Gruppe sorgte für Feuerholz, Stockbrotstöcke und Schnitzmaterial.
Der Abend klang ruhig und gemütlich gegen 23:30 am Lagerfeuer aus, nachdem die Konflikte um Stockbrotstöcke und Stockbrot geklärt waren.

Am Dienstag packten die Kinder ihre Sachen, bauten die Zelte ab und versuchten, den Garten in einen halbwegs ordentlichen Zustand zu versetzen. Es stellte sich heraus, das Thiemos Fahrrad 38 Löcher im Schlauch hatte, es musste ein neuer Schlauch gekauft werden. Karolines Vorderreifen wurde geflickt. Marvin kam aus dem Wald mit einem morschen Fahrradmantel zurück und musste mit dem Kleinbus nach Hause fahren, was einen weiteren Jungen dazu bewog, eine Panne vorzutäuschen um nicht Radfahren zu müssen. Nach dem besten Mittagessen von allen –Hot Dogs- ging es leicht verspätet auf die Rückfahrt nach Vorsfelde. Pünktlich, kurz vor 17 Uhr, kamen alle –noch schneller als bei der Hinfahrt- gesund und munter an und wurden von den Eltern in die Arme geschlossen.

Herzlichen dank an Familie Kesting für die Gastfreundschaft im Bahrdorfer Pfarrgarten und Gemeindehaus, an Förster Axel Schlüter, der mich über alte Hute-Wege informierte und den Kontakt zu Dr. Brün herstellte, an die Gemeinde Bahrdorf für die warmen Duschen in der alten Turnhalle und an Janina, Susanna, Laura-Ruth, Patrick und Maximilian, ohne euch wäre so ein Camp nicht möglich.

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