Kanutour – Reisebeschreibung, 17. – 19.5.2012

StartIn Braunschweig lassen wir am Wehr beim Messegelände die Kanus zu Wasser, nachdem der Bulli mit dem Trailer und allem Gepäck zum ersten Nachtquartier nach Walle gebracht wurde.

StartMan merkt sofort, dass Himmelfahrt ist, denn viele, mit Bierkästen ausgerüstete junge Männer – dem Alter nach kinderlos- blockieren lustig mit Booten und Kähnen die Einsetzstelle.

Vom Park aus werden die Mädchen von betrunkenen Jugendlichen angemacht, Flößer – dem Alter nach eher Väter- grüßen uns freundlich, eine Männergruppe bietet auf dem Schiff gegrillte Würstchen und Koteletts an, zu inakzeptablen Preisen. Wir könnten mühelos den „Fischzug des Petrus“ nachspielen –mit leeren Bierflaschen, die überall herumstehen und schwimmen.

mitten in der StadtAber auch der Zauber der Oker ist spürbar, mitten in einer Großstatt zu sein und trotzdem über weite Strecken nichts von ihrem Getriebe mitzubekommen, durch Parks und Gärten zu gleiten und Einblicke in Höfe zu nehmen, von denen man sonst nichts wüsste.

Nach dem ersten Wehr mitten in Braunschweig lädt die Oker auf weitläufigen Sandbänken zur Flusswanderung im wadentiefen Wasser ein, was wir auch nutzen.

BootsrutscheBootsrutscheNach dem Ölper See und der ersten Bootsrutsche befahren wir den windungs- und BootsrutscheBootsrutscheströmungsreichen Fluss, der hohe Anforderungen an unsere Fahrkünste stellt, um vielen umgestürzten Bäumen und anderen Hindernissen auszuweichen. Weidenzweige dienen immer wieder der Kopfmassage und kämmen unser Haar. Ein umgestürzter Baum bringt ein Jungenkanu zum kentern. Das steile Ufer ist zum Glück an dieser Stelle extra mit einer breiten, treppenartigen Leiter ausgerüstet, sodass das Boot entleert und wieder bestiegen werden kann.

Auswurf der GroßstadtWir durchqueren mühsam den Auswurf der Großstadt: einen 100 Quadratmeter großen Pfropf aus Müll, der die Boote mehr am Vorankommen hindert, als die Sandbank. Erst der Okerdüker am Mittelandkanal stoppt das Müllaufkommen.

Wir verlassen die Oker, die in einem Rohr unter dem Mittellandkanal fließt Am Kanalund tragen und fahren die Kanus den Damm hoch. Immer, wenn sich im Kanalverkehr eine Lücke zeigt und die Wellen der Frachtschiffe etwas verebbt sind, setzt wieder eine Gruppe auf das jenseitige Ufer über. Hier hilft ein Vereinskollege vom MTV Walle beim Wiedereinsetzen in die Oker.

45 Minuten später erreichen wir das Vereinsgelände. Herr Niemög, der uns aufschließt, war schon, wie verabredet, um 18 Uhr da, als wir noch den Kanal überwanden.

Intelligenter Weise haben unsere Autofahrer den Bullischlüssel in dem Fahrzeug, dass am Messegelände geblieben ist, wasserdicht und sicher aufbewahrt, was uns jetzt hindert, unser Lager aufzuschlagen und mit dem Bulli das Fahrzeug nach zu holen. Hoch ist hier Herr Niemög zu preisen, der, ohne lange zu überlegen, sein Auto holt und einen Fahrer zum Messeglände bringt. Der MTV Walle hat eindeutig ausschließlich äußerst hilfsbereite Mitglieder.

In Walle setzen wir am Freitag in den Altarm ein, die Hauptströmung fließt über die Rothemühle, mündet nach 150m linksseitig wieder und lädt zum Kentern ein. Wir passieren diese Stelle flott und ohne Probleme.

WettfahrtDie Oker windet sich in 360 Grad Kehren durch die naturgeschützte, artenreiche Wald- und Wiesenlandschaft. Hier herrscht über 6km Kenterverbot, denn das Ufer darf, außer bei der Schuntermündung, nicht betreten werden.

Tief gräbt sie sich in die beidseitigen Steilufer ein und legt Gänge und Höhlen frei, aus denen Bisam, Maulwurf und Feldhamster den leise vorbei gleitenden Kanuten grüßen.

StromschnellenBei Hillerse erreichen wir ein nicht befahrbares Wehr. Die Oker springt daneben lustig plätschernd und rauschend über Steine und Betonschwellen, gesäumt von gelben Warnschildern und gekenterten Kanus, die den ungeübten Kanuwanderer schrecken, uns aber nach Bewältigung der Stromschnelle mit Stolz erfüllen.

Bald weitet der Flusslauf sich und wir werden von starkem Gegenwind gebremst, bis er wieder in die richtige Richtung mäandert und wir zügig voran geblasen werden. Dieses Spiel ändert sich mit jeder Kehre.

NaturplatzAm späten Nachmittag erreichen wir den Naturcampingplatz des Paddelklubs Hannover bei Seershausen, richten unsere Zelte direkt am Wasser ein und kochen und speisen windgeschützt auf der Terrasse der Holzhütte. Insbesondere die Mädchen stören sich an den fehlenden Duschen und besonders an den über einer Güllegrube errichteten Klohäuschen, die ihren Nasen olfaktorische Sensationen bieten. Sehr früh, noch bevor es ganz dunkel ist, begeben sich alle zu Luftmatratze oder Isomatte.

Relativ spät machen wir uns am Samstag auf die nächste Etappe, denn der Brötchendealer musste erst mühsam gefunden werden. Wir bekommen die Brötchen in einer Klappkiste, die wir in Vorsfelde beim Markt zurück geben können.

Da wir im Wald kein Auto stehen lassen dürfen, verabreden wir den Zustieg der Fahrer beim Rastplatz in Seershausen, der aber vom Wasser aus nicht ohne weiteres zu erkennen ist. So erreicht die Fahrer ein Anruf, dass sie beim Wehr in Meinersen zusteigen können. Diese Stelle ist von der Straße aber nur schwierig zu finden, denn die Oker gabelt sich hier und bildet eine Insel. Linksseitig wird sie durch das Wehr an der Straßenbrücke aufgestaut, rechtsseitig aber schon –gefühlt- kilometerweit vorher. Erschwerend kommt hinzu, dass auf der Insel Fische in großen Teichen gezüchtet werden, die vom linken zum rechten Okerarm mit Wasser versorgt werden. Hier kommt es zu einer Verzögerung, die manch einen bedauern lassen, nicht lieber doch den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach genommen zu haben, denn die Restaurants mit den komfortablen Toilettenanlagen werden viel später als geplant erreicht und sind dann auch nicht mehr nötig.

Die Oker wird immer breiter und stellt keine Herausforderungen mehr. Einzig ein Baum sperrt sie auf voller Breite, kann aber im Geäst umfahren werden. Am letzten Okerwehr machen wir wieder eine ausgiebige Suppenpause. Steil werden die Kanus über einen hölzerne Bootsrinne wieder zu Wasser gelassen.

In der Aller künden linksseitige Schilder von der Entfernung zur Weser (137 Km) und bieten uns die Möglichkeit, die Reisegeschwindigkeit zu ermitteln: 500 m in 10 bis 11 Minuten.

Unterwegs stAbendessenellt sich noch die Frage, warum die Aller mit einer Bewässerungspumpe beregnet werden muss, erfrischt uns aber auch mit kühlen Tropfen und Sprühnebel. Überraschend schnell erreichen wir mit dem Allerparadies unser letztes Quartier.

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